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| Mondfinsternis am 8./9. November 2003 | ||
| Ein Roter Mond an einem wolkenlosen Himmel |
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Beobachtungsbericht von Marc Weihrauch 23.15: Seit Stunden ist der Himmel klar; hoffentlich bleibt es dabei! Der Mond strahlt rund und voll vom Firmament. Sein grelles Licht dominiert den ganzen Himmel und lässt nur die allerhellsten Sterne sichtbar werden. Immerhin ist es hell genug, um in einem Buch zu lesen! Aber jetzt erreicht Luna den Halbschatten der Erde - die Finsternis beginnt. Vom Eintritt in den Halbschatten ist aber nichts zu bemerken. Schon vor einer Weile habe ich das Spiegelteleskop aufgebaut, das mir Prof. Dr. Grau vom Fachbereich Physik freundlicherweise geliehen hat. Ich habe eine alte Spiegelreflexkamera angeschlossen und werde während der Finsternis einige Bilder schiessen. |
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| 23.56: Nach Schätzungen von Fred Espenak sollte die Halbschattenfinsternis etwa um Mitternacht sichbar werden. Tatsächlich kann ich jetzt deutlich eine Veränderung wahrnehmen. Der Mond ist nicht mehr so gleißend hell wie vorhin. Besonders auffällig ist aber der Helligkeitsunterschied zwischen zwei gegenüberliegenden Rändern des Mondes. Die Gegend um Sinus Roris mit den angrenzenden Mare Imbrium und Oceanus Procellarum ("links oben") erscheint merklich verdunkelt gegenüber den Maria Crisium, Tranquilitatis und Fecunditatis ("rechts unten"). Wieso hält sich eigentlich noch das alte Märchen, eine Halbschattenfinsternis könnte man gar nicht beobachten? | |
| 00.32: Jetzt schiebt sich der Mond in den dunklen Kernschatten der Erde. Bisher musste man schon aufmerksam hinsehen, um die Verdunkelung zu bemerken. Ab jetzt fällt jedem auf, dass irgendetwas vor sich geht. Es scheint, als würde ein immer größeres Stück aus dem Mond herausgebissen werden. | |
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00.46: Niemand frisst den Mond auf. Das fehlende Stück ist einfach nur durch den Erdschatten verdunkelt. Mit fortschreitender Finsternis lässt auch die Blendung durch den unverfinsterten Teil Lunas nach. Jetzt wird es möglich, den dunklen Teil ganz schwach wieder zu sehen. Ein Foto mit kürzerer Belichtungszeit zeigt nur den unverfinsterten Teil. Bei längerer Belichtung ist der dunkle Teil zu erkennen, dafür ist die unverfinsterte Seite völlig überbelichtet. |
| 01.00: Ich stelle mich so hinter das Planetarium, dass sein Dach gerade den unverfinsterten Teil des Mondes verdeckt. Ohne die Blendung durch den hellen Teil kann ich nicht nur den dunklen Teil deutlicher sehen, ich erkenne sogar schon jetzt seine rote Farbe. Der Ton erinnert mich an verglimmende Kohlen. | |
| 01.12: Das Rot des dunklen Teils ist jetzt auch ohne Tricks zu erkennen. | |
| 01.23: Auch mit bloßem Auge kann ich jetzt wieder Strukturen auf dem verfinsterten Teil erkennen: Die Maria, die großen Dunkelgebiete, treten deutlich hervor. | |
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01.37: Je weiter die Finsternis voranschreitet, desto mehr verliert das Mondlicht an Kraft. Wer hat behauptet, bei einer Mondfinsternis gäbe es keine Veränderungen am Himmel und in der Landschaft?! Die Mondlichtschatten sind beinahe verschwunden, und der Himmel ist viel dunkler geworden. Es kommen mehr und mehr Sterne hervor. Die Plejaden (das "Siebengestirn") und die Hyaden im Sternbild Stier sind jetzt deutlich zu sehen - vor zwei Stunden waren sie nur zu erahnen. |
| 01.45: Noch so wenig Mond und noch so viel Zeit! Vom Mond ist nur noch ein ganz schmaler Streifen übrig. Man mag kaum glauben, daß es noch 20 Minuten bis zur Totalität dauern soll. Aber die partielle Finsternis ist diesmal eben besonders lang, weil der Mond sich am Rand des Erdschattens bewegt und nicht mitten hindurch. Er hat jetzt schon fast sein "Pseudo-Mars-Stadium" erreicht: Die rote Farbe des verfinsterten Teils erinnert an den Roten Planeten, die Maria erinnern an die Dunkelgebiete auf dem Mars und der unverfinsterte Teil an die Polkappe. | |
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02.06: Totalität. Der Mond ist jetzt ganz innerhalb des Kernschattens und bekommt überhaupt kein direktes Sonnenlicht mehr. Nur noch die Erdatmosphäre lenkt noch wie eine riesige Linse einen Teil des Sonnenlichts ins Innere des Schattens - ohne diesen Effekt wäre der Mond jetzt ganz unsichtbar. Gleichzeitig filtert die Atmosphäre das Licht, sie lässt bevorzugt den langwelligen Anteil passieren. Langwelliges Licht erscheint uns rot - daher also die rote Farbe! Natürlich ist der Randbereich des Erdschattens heller als sein zentraler Teil. Weil sich der Mond diesmal nur am Innenrand des Schattens bewegt, hat er selbst die ganze Zeit über einen hellen Rand. Manch ein Gast lässt sich davon verwirren und meint, die Finsternis wäre gar nicht total. Aber genauso muss diese Finsternis aussehen! Diesen hellen Rand haben alle erwartet. Überhaupt ist die Finsternis relativ hell. Der Mond erscheint kupferrot. Auf der einen Seite ist er dunkler, das Rot viel tiefer. Auf der anderen Seite ("links unten") dagegen ist er ziemlich hell. Dort sieht er grau aus, fast mit einem gelblichen Hauch. Auf dem ganzen Mond reicht das Licht noch aus, um Strukturen zu erkennen. Die Maria, die großen Dunkelgebiete, die das "Mondgesicht" ausmachen, sind selbst zur Finsternismitte noch deutlich zu sehen. Auf der Danjon-Skala, die von 0 (sehr dunkle Finsternis, der Mond wird fast unsichtbar) bis 4 geht, schätze ich den Roten Mond dieser Nacht auf 3. Es ist zwischenzeitlich fast so dunkel wie in einer Neumondnacht geworden. Unsere Schatten im Mondlicht sind ganz verschwunden, die Sterne sind deutlich zu sehen. Nicht nur die: Zwei- oder dreimal sehen wir auch eine Sternschnuppe am verfinsterten Mond vorbeisausen. Übrigens zeigt sich auf dem Foto ein kleines Sternchen über dem nördlichen Mondrand, das später selbst verdeckt wurde. |
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02.18: Finsternismitte. Tiefer wird der Luna nicht mehr in den Erdschatten vordringen. Der kleine Stern von vorhin ist jetzt schon viel näher an den Mondrand gerückt. Nein, falsch! Es ist natürlich der Mond selbst, der auf seiner Bahn weitergezogen ist und damit seine Position zu dem Stern verändert hat. |
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02.30: Nach nur 24 Minuten nähert sich die Totalität ihrem Ende. Für eine Mondfinsternis ist das eher wenig. Der helle Rand ist zwischenzeitlich ein Stück weiter nach "links oben" gewandert und wird immer heller. Bald taucht ein weißer Streifen auf - dieser Teil des Mondes ist schon wieder aus dem Kernschatten heraus. Dieser Streifen ist übrigens viel heller als der Rand, der während der Totalität zu sehen war. Der Stern von vorhin ist nicht mehr zu sehen. Er wurde vom total verfinsterten Mond bedeckt! |
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03.00: Der Mond rückt immer weiter aus dem Kernschatten heraus. Die meisten Gäste und sogar die Leute aus unserem Verein brechen auf. Ich baue das Teleskop auch ab, aber ich bleibe noch vor Ort. Das gehört schon dazu! Das Foto links ist übrigens etwas eher entstanden, nur wenige Minuten nach 2.30 Uhr. |
| 04.04: Luna hat den Kernschatten jetzt ganz verlassen und befindet sich nur noch im schwachen Halbschatten der Erde. Das Mondlicht ist wieder fast so hell wie in jeder Vollmondnacht, die Sterne sind wieder verblasst, und auch für mich ist die Finsternis jetzt vorbei. Ich hämmere noch eine kleine Erfolgsmeldung an die Finsternis-Mailingliste in die Tasten, dann mache ich mich auf den Heimweg - und freue mich schon auf das nächste Mal. | |
Text & Bilder: © Marc Weihrauch / GaB e.V.